In dem Brand Reglement der Stadt Neuenhaus aus dem Jahre 1873 wurde jeder männliche Einwohner zwischen 18-60 Jahren zur Hilfeleistung bei Brände verpflichtet. Ausgenommen waren Geistliche, Ärzte, Apotheker, Lehrer, Soldaten und Gebrechliche. Um die Männer zu alarmieren läutete man mit der Feuerglocke und der Nachtwächter blies durch sein Horn.

  Zur damaligen Zeit wurden die Häuser in sehr leichter Bauweise gebaut. Es wurde Schilf und Stroh als Dachdeckung eingesetzt. Torf diente als Isolierung, auf dem Dachboden lag Heu für das Vieh. Zur Vorsorge musste jeder Haushalt über einen Feuerhaken und einen Eimer verfügen. Mit den Gerätschaften hatte man sich dann im Falle einer Brandes an der Einsatzstellen einzufinden. Bei unerlaubten verlassen der Brandstelle drohte den Mitgliedern der Pflichtfeuerwehr eine Geldstrafe.

  Die Pflichtfeuerwehr verfügte jedoch selber nur über unhandliche Spritzen und schweres Material. Damit konnten die Aufgaben nur mühsam erfüllt werden. Auch kam es an den Einsatzstellen immer wieder zu Diebstählen. Dies führte am 04. Februar 1893 zur Gründungsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Neuenhaus-Teich. Durch Spenden von Bürgern und Zuschüssen von Stadt und Versicherungen konnte am 06. Mai 1893 eine neue Spritze gekauft werden.

  In Wettbewerben mit Pflichtfeuerwehren oder bei Einsätzen zeigten sich die freiwilligen Retter meist überlegen. Im Jahre 1911 wurde ein Neuenhauser Bauunternehmen mit dem Bau eines neuen Spritzenhauses beauftragt. Dieses wurde am 01. August 1911 bezogen. Durch Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 mussten viele Feuerwehrleute an die Front. Es kam zum erliegen des Dienstbetriebes. Auch nach dem Ende des Krieges und den anschliessenden Inflationsjahren war an eine Wiederaufnahme des Dienstbetriebes nicht zu denken.

  Erst im Jahre 1929 gab es Anlass über eine Wiederbelebung nachzudenken. Die Feuerwehr wurde zu einem Grossfeuer in den Nachbarort Nordhorn gerufen. Die Fahrt mit einem Pferdefuhrwerk nahm viel Zeit in Anspruch. Endlich in Nordhorn angekommen, brauchten die Neuenhauser nicht mehr eingreifen. Unter dem Vorsitz des Bezirksschornsteinfegermeisters Richter kam es zu einer Versammlung. 90 Neuenhauser Bürger erklärten sich zur Mitgliedschaft in der Feuerwehr bereit; 30 davon als aktive Einsatzkräfte.

  In den Jahren 1930 bis 1932 konnten die Freiwilligen bei mehreren grossen Einsätzen ihr Können und ihre Zuverlässigkeit unter Beweis stellen. 1932 erhielt die Freiwillige Feuerwehr Neuenhaus, mit Unterstützung des Landrates, die erste Motorspritze. Diese hatte eine Leistung von 500 Litern in der Minute. Am 02.Mai 1934 konnte eine neue, mechanische Leiter in Dienst gestellt werden. Am 01. April wurde der Feuerlöschverband Neuenhaus gebildet. Er umfasste die Gemeinden Neuenhaus, Lage, Grasdorf, Hardingen, Halle und Hilten. Eine zweite Motorspritze mit einer Leistung von 800 Litern pro Minute wurde angeschafft.

  Ein trauriges Ereigniss in dieser Zeit ist die sog."Reichskristallnacht" am 09.November 1938. Zu dieser Zeit gab es in Neuenhaus noch fünf jüdische Familien. Neben Plünderungen der Familien- und Geschäfthäuser der jüdischen Mitbürger versuchte man auch die Synagoge in der Klinkhamerstrasse in Brand zu setzen. Dagegen erhob der damalige Kommandant der Feuerwehr Einspruch. Jedoch nur, weil er wegen der enganliegenden Bebauung ein übergeifen der Flammen auf Nachbargebäude fürchtete. So wurden Einrichtung und Gebetsbücher im Gebäude zerstört und verbrannt.

  Der Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 stellt die Freiwilligen wiederum vor Probleme. Viele der ausgebildeten Männer mussten an die Front. Ältere Kameraden bildeten daraufhin Jugendliche als Ersatzkräfte aus. 1943 hatte die Wehr ihr 50-jähriges Gründungsjubiläum. Im Dienstbuch spiegeln sich die Ereignisse des Krieges in den Eintragungen wieder. Feuerwehrhelferinnen werden zusätzlich ausgebildet, Fliegeralarme unterbrechen den Dienstbetrieb. Am 22.März 1945 muss die Feuerwehr in Nordhorn Löschhilfe leisten. Flugzeuge hatten Stabbrandbomben über der Stadt abgeworfen. Der letzte Eintrag im Dienstbuch ist vom 23. März 1945.

  Sieben Jahre nach Ende des Krieges fanden sich 1952 wieder Männer die bereit waren, sich in den Dienst der guten Sache zu stellen. Am 22.Januar 1952 fand eine öffentliche Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr Neuenhaus statt. Dabei erklärte der Bürgermeister Winkelmann und der Stadtrat den Neubau eines Feuerwehrhauses in Angriff zu nehmen. Im selben Jahr konnte die Männer an der Prinzenstrasse ihr neues Heim beziehen.

  1954 wird eine neue Tragkraftspritze beschafft. 1956 kommt es mit 13 Mitgliedern zur Gründung der ersten Jugendfeuerwehr im Landkreis. Auch die Anzahl der Aktiven Feuerwehrmänner steigt weiter an. 1964 leisten schon über 30 Kameraden ehrenamtlich ihren Dienst. Ein Jahr später konnte ein TLF 8/18 von der Firma Ziegler in Empfang genommen werden.

  Die jüngere Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Neuenhaus wird hier auch noch ihren Platz finden.